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Kapitel 3: Bis zum bitteren Ende

Einige Zeit war vergangen, seit ich meinen Sohn und wohl auch meine Gefährtin verloren hatte. Falma blieb verschwunden und ich versuchte, mich damit abzufinden, oder zumindest so zu tun, als ob. Die Wunden heilten, doch die Narben schmerzten noch immer und obwohl ein warmer und erfreulicher Sommer folgte, so war doch zumindest mein Gemüt getrübt. Aber davon sollte das Rudel nichts erfahren.

Allerdings hatte sich der graue Rüde, der bereits vor einiger Zeit Ärger gemacht hatte, nun wohl ebenfalls ein paar Mitstreiter gesucht. Ich ahnte, dass etwas vor sich ging, doch ich wollte dem Rudel nicht das Gefühl geben, dass sie Angst zu haben brauchten. Wie falsch ich lag.

Es geschieht immer dann, wenn man nicht damit rechnet, so heißt es. Wer immer dieses Sprichwort erfunden hat, er hat wohl recht. Auch an diesem Tag hatten die Welpen, hatte niemand etwas anderes im Sinne, als zu leben, wie er es die letzten Tage getan hatte. Die Welpen, inzwischen schon größer und eigenständiger geworden, hielten sich am See auf, um zu spielen. Sie ahnten nicht, welche Gefahr sich dort anbahnte.

Jakyll, ein grauer Rüde aus Densers Bande, ein mordlustiges, bösartiges Wesen, schlich sich an die jungen Wölfe heran und wären nicht andere dazwischen gegangen, ich weiß nicht, was geschehen wäre. Doch die Situation wurde nicht besser. Der Rüde griff an und als ich selbst eingriff, war der Kampf bereits im Gange. Ich selbst war ihm nicht gewachsen, doch ich hatte nicht vor, mit ihm zu kämpfen, solange meine Familie bedroht war. Ich lockte ihn also von dem Rudel weg, weit in die Wald hinein. Ein Fehler war es sicherlich nicht gewesen, doch es ging schlecht für mich aus.

Ich konnte ihm nicht ewig entkommen und als ich mich schließlich stellte, entbrennte erneut ein heftiger Kampf. Ein Kampf, den ich verlor. Schwer verletzt wartete ich auf das Ende, bereit zu sterben, denn ich hatte die Gewissheit, dass meiner Familie und dem Rudel nicht geschehen war. Ja, wenn es unvermeidbar gewesen wäre, so hätte ich dem Tod bereitwillig entgegen gesehen. Doch unerwartet schritt Denser ein. Warum er seinen Lakeien dazu aufforderte, mich nicht zu töten? Ich weiß es nicht. Doch kurz darauf wurde es schwarz um mich her.

Ich bekam nicht mit, dass ein fremder junger Rüde namens Schiriki sich für mich eingesetzt hatte. Zwar er es nicht ihm zu verdanken, dass die beiden Rüden verschwanden, doch holte er Hilfe. Für mich aber war sie zu spät. Ich wollte keine Hilfe. Ich wusste nicht einmal sicher, dass ich leben wollte. In einer Welt wie dieser, an einem Ort, an dem meine Familie Stück für Stück zerbrach. Ich hatte sie nicht schützen können, ich hatte nicht das bewahren können, was mir das Teuerste auf der Welt war. Wollte ich leben? Wollte ich mitansehen, wie alles zerbrach an der Realität?

Während das Rudel um mein Leben bangte, zweifelte ich an dessen Sinn. Und ich hätte wohl aufgegeben, hätte Ishany, eine Fremde, eine Wanderin, die sich nicht um mein Geschick hätte kümmern brauchen, mir den Weg zurück gezeigt. Auch sie konnte mich nicht zu irgend etwas überreden. Aber sie zeigte mir eine Alternative, sodass ich wählen konnte. Ich wählte das Leben. 

Und ich bin bereit, dieses Leben zu verteidigen. Es und alles, was es aus macht, bis zum letzten, bis zum bitteren Ende.

16.11.08 00:28
 
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