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Kapitel 2: Neues Leben

Wir hatten also ein Revier gefunden, einen Platz, an dem wir bleiben konnten, bleiben wollten. Bald schon stießen wir auf andere Wölfe, einige schlossen sich unserem Rudel an und so wuchs unsere Gemeinschaft. Aber sie wuchs nicht nur durch Wanderer, die beschlossen hatten, hier zu bleiben. Sie wuchs durch das Wunder des Lebens, durch etwas, das mein Herz höher schlagen ließ und mir Respekt und Angst einflößte und das schönste Gefühl, das es auf Erden geben kann: ich wurde Vater.

Vier wundervolle, kleine Welpen erblickten das Licht der Welt und ich hätte in jenem einen Moment nicht beschreiben können, was ich fühlte, was ich dachte, was ich sah. Sie waren winzig und doch lange nicht so zerbrechlich, wie ich es geglaubt hätte. Und bald schon kehrten wir in den Schoß des Rudels zurück. 

Doch nicht nur Gutgesinnte haben unser Revier betreten. Auch ein Grauer Wolf namens Denser hat den Weg in unser Tal gefunden. Er stiftete Unruhe und schien doch vorerst nur eine lästige Nebensache. Denn das Wetter, ein heftiges Gewitter, machte uns sehr zu schaffen. Und auch ein Bär tauchte plötzlich auf und vertrieb uns aus der Höhle. Wir nahmen die Welpen und zogen in Richtung des Sees. Ich wusste, dass dieser nicht sicher war, dass er Hochwasser führte und doch wollte ich lieber das Wasser zu meinen Pfoten haben, als den losen Berg in meinem Nacken. Aber das war ein Fehler. Beim Ufer angekommen versuchten wir, uns zu sammeln, irgendetwas zu vereinbaren. Falma war nicht mehr da und auch andere fehlten, ich machte mir große Sorgen. Und war unaufmerksam.

Dieser Moment reichte, um dem Unglück weiterzuhelfen. Calan, mein Sohn, der am Ufer gespielt hatte, fiel plötzlich ins Wasser. Ich konnte ihn nicht mehr zu fassen bekommen, doch ich wollte meinen Sohn nicht der unbarmherzigen Flut überlassen und folgte ihm. Das Wasser war eisig und hart. Es drückte mich hinab und ich verlor Calan aus den Augen. Ich sollte ihn nie wieder sehen ...

Während mein Rudel hilflos mitansehen musste, wie Calan und ich davongetragen wurden, landete ich irgendwann ein Stück stromabwärts am Ufer. Das Erwachen war nicht angenehm, aber die Erkenntnis, dass ich meinen Sohn verloren hatte, dass ich ihn nicht wieder sehen würde, traf mich wie einen Stein, der mein Herz zu zerschmettern beabsichtigte.

Doch ich traf auch auf einen älteren Rüden, einen Wanderer, welcher mir klar machte, dass ich nicht herumstehen durfte, dass ich akzeptieren musste, was geschehen war. Hadravac, der Rüde, begleitete mich zurück zum Rudel, welches zweifelnd und unruhig auf mich gewartet hatte. Auch sie konnten mir nur sagen, dass Calan nicht mehr zurückkommen würde und Falma noch immer verschwunden war. Doch zu meiner Überraschung war da ein anderer Welpe, welcher scheinbar seine Familie verloren hatte, wie ich meinen Sohn. Ihr Name lautete Aris und obgleich Trauer und Schmerz an mir zerrten, gewann ich sie doch lieb und beschloss, sie in unserer Mitte aufzunehmen.

Und wieder hatte die Natur ihren Trubut gefordert. Viel hatten wir an diesem Tag verloren und Narben würden für immer zurück bleiben. Doch noch kannten wir die Bedeutung des Wortes >Kampf< nicht. Noch hatten wir nicht erfahren, was es bedeutete, wirklich für das einstehen zu müssen, was uns lieb war.

16.11.08 00:12
 
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